Die Sucht des Gehirns nach Zucker

Sucht nach Zucker, Abnehmen, Kurzzeitfasten

Studien zeigen: Zucker macht nicht nur dick und krank, sondern auch süchtig.

Unser Gehirn kann auf zwei Arten mit Energie versorgt werden. Zum einen, durch die Nutzung von Glukose, also Zucker. Zum anderen durch die Bereitstellung von Ketonkörpern, die aus Körperfett gewonnen werden. Dabei funktioniert der zweite Mechanismus bei den meisten Menschen leider ziemlich bescheiden, da er so gut wie nicht trainiert wird. Durch die permanente Zufuhr von Glukose, häufig direkt in Form einfachen Zuckers, wird unser Gehirn nämlich permanent mit diesem sehr komfortablen Treibstoff versorgt. Allerdings ist auch in diesem Fall die einfachste Lösung nicht unbedingt die Beste, denn während Ketonkörper sogar viele positive, beispielsweise zellschützende Effekte aufweisen, wird ein hoher Zuckerkonsum mit einer Vielzahl schwerer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Neue Forschungsergebnisse legen sogar nahe, dass ein hoher Zuckerkonsum die Entstehung und das Wachstum von Krebs begünstigen kann.

Dass Zucker obendrein auch noch dick macht, sei lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt.

Zucker macht Ratten abhängig

Inzwischen haben sich einige Studien mit dem Phänomen Zuckersucht auseinandergesetzt. Dabei wurde an Ratten nachgewiesen, dass es durch die regelmäßige Aufnahme größerer Zuckermengen zu Veränderungen im Verhalten und in den chemischen Abläufen im Gehirn der Tiere kommt, die klar auf eine Abhängigkeit hindeuten. Dabei sind die Auswirkungen vergleichbar mit denen, die auch beim Konsum vieler anderer Drogen auftreten. Besonders interessant war in diesem Zusammenhang, dass die Ratten einen Entzug des Zuckers durch einen vermehrten Alkoholkonsum kompensierten und im Zuge ihrer Zuckersucht auch deutlich stärker auf die Gabe von Amphetaminen reagierten. Die Abhängigkeit nach dem süßen Stoff erhöhte also gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für zusätzliches gesundheitsschädliches Verhalten.

Fehlt süchtigen Ratten ihr Zucker, wenden sie sich also anderen Drogen zu. Kurioserweise scheint das süße Original allerdings einen erstaunlich hohen Stellenwert einzunehmen. So wurden Ratten in einer anderen Untersuchung vor die Wahl gestellt, ob sie lieber eine Dosis Kokain oder gesüßtes Wasser bekommen möchten. Selbst jene Tiere, die zuvor bereits eine Abhängigkeit für Kokain entwickelt hatten, wechselten innerhalb kurzer Zeit zur süßen Alternative. Die Sucht nach Zucker kann es also durchaus mit so manch anderer Abhängigkeit aufnehmen.

 

Übertragbarkeit auf den Menschen umstritten

So interessant und erschreckend diese Ergebnisse auch sind, darf bezweifelt werden, ob sie sich eins zu eins auf den Menschen übertragen lassen. Dennoch sind gewisse Parallelen nicht von der Hand zu weisen. Denn auch unser Gehirn reagiert auf den Konsum von Zucker mit der Ausschüttung des Glückshormons Dopamin, wie es auch bei vielen Drogen der Fall ist. Und genau wie bei vielen anderen Drogen, tritt mit der Zeit eine gewisse Gewöhnung auf, so dass mehr und mehr Zucker konsumiert werden muss, um die gleichen Glücksgefühle zu erzeugen.

Diese Belohnungsreatkion des Gehirns ist aus evolutioniärer Sicht durchaus sinnvoll. Denn Zucker liefert viel schnell verfügbare Energie, so dass es durchaus positiv war, wenn sich unsere Vorfahren darum bemühten, in den seltenen Genuss süßer Nahrung zu kommen. „Selten“ ist hier aber das entscheidende Stichwort, denn meist wurden Kohlenhydrate nur in Form von Stärke und vor allem in Kombination mit vielen unverdaulichen Ballaststoffen verzehrt. Einige Wurzeln und Obstsorten waren für gewöhnlich der Gipfel der erreichbaren Süße. Mit Ausnahme von Honig kommt purer Zucker in der Natur nämlich nicht vor und fand sich somit auch nicht auf unserem historischen Speiseplan.
Entsprechend ist auch unser Insulinhaushalt nicht auf den heute herrschenden Überfluss extrem süßer Lebensmittel ausgelegt und nimmt bei einem dauerhaften, unnatürlich hohen Zuckerkonsum krankhafte Formen an.

Lag der Anteil von Zucker in unserer Ernährung vor wenigen hundert Jahren noch bei unter einem Prozent, macht er heute 10 bis 20 Prozent der täglich zugeführten Kalorien aus. Kein Wunder, dass nicht nur unser Insulin- sondern auch unser Belohnungssystem mit dieser Situation überfordert ist.

Zurück zu einem funktionierenden Stoffwechsel

In meinem Buch habe ich meine ersten beiden Wochen des Kurzzeitfastens mit einem Entzug verglichen, ähnlich dem, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Unser Körper ist nämlich so daran gewöhnt, dass Glukose permanent als Energiequelle zur Verfügung steht, dass er weitgehend verlernt hat, die wesentlich gesünderen Ketonkörper aus seinen eigenen Fettreserven zu bilden. Dadurch muss unser Gehirn in den Fastenphasen nicht nur auf seinen regelmäßigen Dopamin-Kick verzichten, sondern wird obendrein nicht im gewohnten Maße mit leicht verfügbarer Energie versorgt. Bei einigen Menschen kann dieser ‚Notstand‘ in den ersten Wochen zu Kopfschmerzen, Gereiztheit und Antriebslosigkeit führen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass diese Phase recht schnell vorbei geht, da der Körper den Fettstoffwechsel relativ bald so effizient beherrscht, dass zumindest in kurzen Fastenzeiten ausreichend Ketonkörper als gesunde Energiequelle für das Gehirn zur Verfügung stehen. Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass nicht die bisherige Vollversorgung mit Glukose der Normal-, geschweige denn der Idealzustand ist, sondern unser Körper in hundertausenden von Jahren der Evolution darauf optimiert wurde, regelmäßig mit eigenen Reserven und erst recht ohne Zucker auzukommen.
Es ist durchaus wahrscheinlich, dass genau diese Tatsache der Grund dafür ist, dass Kurzzeitfasten vor so vielen schweren Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzinfarkt schützt, die gleichzeitig besonders stark mit unserer modernen Ernährungsweise in Verbindung gebracht werden.

 

Zeit für eine Entziehungskur

Der große Charme beim Kurzzeitfasten ist, dass Sie gar nicht darauf angewiesen sind, dauerhaft auf Zucker zu verzichten, um Ihren natürlichen Fettstoffwechsel in Schwung zu bringen und von den gesundheitlichen Effekten zu profitieren. Das passiert schon allein durch die Einhaltung der Fastenphasen. Erst recht, wenn Sie Ihre sportlichen Aktivitäten gelegentlich an deren Ende legen. Sie entwöhnen Ihren Körper quasi in Teilzeit, ohne dabei etwas an Ihrer Ernährung ändern zu müssen. Am Anfang werden Sie noch feststellen, dass gegen Ende der Fastenphase die Lust auf Kohlenhydrate deutlich ansteigt. Dieser Effekt nimmt allerdings ab, je länger Sie dabei bleiben und je effizienter Ihr Fettstoffwechsel Sie mit gesunder Energie versorgen kann.

Haben Sie selbst schon die durch Zucker verursachten Entzugserscheinungen kennen gelernt? Wie gehen Sie damit um und welche Strategien verfolgen Sie, um diesem Teufelskreis zu entkommen?

 

PS: Von dem im oberen Video zitierten Dr. Lustig aus Kalifornien gibt es übrigens eine ganz Serie zu den fatalen Folgen der zunehmenden Zuckersucht. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang dieses hier:

Foto: © 2006-2013 Pink Sherbet Photography via photopin cc

9 Gedanken zu „Die Sucht des Gehirns nach Zucker

  1. Jessica Hinz

    Hallo Daniel,

    die Entzugserscheinungen kenne ich. Ich hatte die ganze Zeit ein zittriges Gefühl und wollte unbedingt Schokolade futtern. Zum Glück hatte ich keine in der Nähe. Und daheim hatte zu dem Zeitpunkt nur mein Freund Süßigkeiten, an die ich nicht ran gehe (ich nehm ihm doch nicht weg, was ich ihm in den Adventskalender gepackt habe).

    Als Teenie hatten wir mal einen Bluttest bei mir gemacht, weil ich ständig übermüdet war. Mit erschreckendem Ergebnis. Hätte damals weiterhin soviel Zucker zu mir genommen, hätte ich heute Diabetes. Aber irgendwie kam ich trotzdem nicht von dem ungesunden Zeug weg. Richtig schlimm. Ich weiß, dass es nicht gut für den Körper ist, aber ich liebe Schokolade und Gummibärchen und Kekse einfach. Und natürlich Kuchen und Dessert… Sabber.

    Seit ich mit dem Kurzzeitfasten angefangen habe, bevorzuge ich sattmachende Mahlzeiten. Platz für Süßes bleibt dann eher selten 😉 Schokolade esse ich immer noch, aber viiiiieeeel weniger als früher. Ich habe einfach nicht mehr das Verlangen danach. Und das obwohl ich erst seit 4 Wochen aktiv bin. Die Abgewöhnung geht also wirklich schneller vonstatten als ich je gedacht hätte. 🙂

    Gestern Abend saß ich dann aber im Beginn meiner Fastenzeit auf der Couch, schaute fern und überlegte, ob ich mir was Süßes genehmige. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, trank ich dann aber lieber einen großen Schluck Wasser und lenkte mich mit meinem Tablet ab (die Spiele machen auch süchtig, sind aber gesünder für den Körper :D).

    Liebe Grüße, Jessica

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    1. Daniel RothDaniel Roth Artikelautor

      Hallo Jessica,

      das freut mich zu hören. Schön, dass die Umstellung bei dir so gut und zügig funktioniert. Ich bin mir sicher, dass sich diese Entwicklung auch in deinen Blutwerten zeigen wird. Gerade bei den Diabetes-Markern lässt sich mit dem Kurzzeitfasten oft eine deutliche Verbesserung erreichen. Auch wenn du (was nach deiner Beschreibung nicht ganz unwahrscheinlich ist) erhöhte Triglycerid-Werte hattest, sollten sich diese bald normalisieren.

      Ich bin gespannt, wie es bei dir weiter geht und hoffe natürlich, dass du neben den von dir beschriebenen positiven Veränderungen auch die erhofften Resultate auf der Waage siehst.

      Viele Grüße,

      Daniel

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  2. Klaus-Peter Baumgardt

    Sicher gibt es die Zucker-Sucht – damit zu leben heißt dann, nicht mehr auf die „Zuckerfallen“ hereinfallen zu dürfen.
    Aber zum Glück gibt es mehrere Belohnungssysteme; Lernerfolge zum Beispiel werden als Belohnung erlebt, im sozialen Bereich können „Verstärker“ ausgetauscht werden und so weiter.

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  3. Andrer

    Mit Aussagen bzgl. Darmkrebs etc. würde ich mich zurückhalten. Selbst wenn Ratten und Mäuse gesund bleiben, sind deren Ergebnisse vllt nicht auf den Menschen übertragbar. Die meisten Krebsarten entstehen im Alter, es gibt aber kaum jemanden, der IF über solange Zeit gemacht hat und uns über seine Erfahrungen berichten kann.

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    1. Daniel RothDaniel Roth Artikelautor

      Ich weiß nicht, auf welche Aussage in dem Artikel du dich beziehst, da ich dort eigentlich gar nichts zum Thema Darmkrebs geschrieben habe. Grundsätzlich ist es aber so, dass es durchaus gute Indizien gibt, die derartige Aussagen stützen, selbst wenn die perfekte Langzeitstudie, die IF und Krebs über Jahrzehnte untersucht, fehlt und vermutlich auch nie durchgeführt werden wird.
      Schließlich ist zum Beispiel unstrittig, dass Diabetiker ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko haben. Ebenso deutlich konnte in kontrollierten Interventionsstudien – auch am Menschen – gezeigt werden, dass Kurzzeitfasten einen deutlich positiven Einfluss auf Risikomarker für Diabetes hat. Und das ist eben längst nicht das einzige Beispiel, das nahelegt, dass IF das Risiko für Krebserkrankungen reduziert. Schau dir dazu auch mal die Studien zu Zellteilungsraten von Hsieh und Hellerstein an.
      Übrigens weise bei meinen Verweisen auf Studien an Tieren mit großer Regelmäßigkeit darauf hin, dass die Ergebnisse nicht zwingend auf den Menschen übertragbar sind, sondern vielmehr als ein Indiz für bestimmte Wirkungsweisen gesehen werden sollten. Gleichzeitig versuche ich diese Zitate mit Beispielen für ähnliche Untersuchungen an Menschen zu verknüpfen.

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  4. Inge Fink

    Hallo Daniel, ich habe Darmkrebs, ohne immer süss. Bin also kein Zuckerstrategist. Nach meiner DarmOP
    habe ich wieder zugenommen und bekomme es nicht runter. Weight Wachters funkt nicht. Jetzt versuche ich es mit 16/8. Mein größstes Problem ist, ich trinke sehr gerne ein Glas Wein. Trocken. Kann ich das einordnen. Zumindest ab und zu. Wir gehen sehr gerne in die Strausswirtschaft. Ist ja nicht jeden Tag.
    Gruß Inge

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    1. Daniel RothDaniel Roth Artikelautor

      Hallo Inge,

      grundsätzlich ist es beim Kurzzeitfasten erlaubt, auch Alkohol zu trinken. Allerdings ausschließlich in den Essenszeiten. Wein – auch trockener – in der Fastenzeit wäre für die Wirkung sehr kontraproduktiv. Wenn sich das an manchen Tagen der Woche aber nicht vermeiden lässt, würde ich versuchen, das durch entsprechende Verschiebungen und längere Zyklen an anderen Tagen auszugleichen. So hast du eine gewisse Flexibilität auch abends mal noch ein Glas trinken zu können, behältst aber weitgehend die positiven Wirkungen des Kurzzeitfastens. In diesem Artikel findest du auch ein paar Tipps, wie du das realisieren kannst: http://www.kurzzeitfasten.de/einhalten-der-zeiten-beim-kurzzeitfasten/

      Gruß,
      Daniel

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  5. Christine

    Hallo Daniel,

    ich werde mir heute dein Buch kaufen.. Allerdings ist das Bild von dem Donut nicht sehr hilfreich beim Verzicht auf Zucker.. ;-P

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    1. Daniel RothDaniel Roth Artikelautor

      Hallo Christine,

      das stimmt, aber die Tatsache, dass man nur das Bild sehen muss und direkt ein starkes Verlangen verspürt, so einen Donut zu essen, unterstreicht auch nochmal die Aussage des Artikels. 😉

      Liebe Grüße und ganz viel Spaß mit dem Buch!

      Daniel

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